United Tribuns Freiburg verurteilt

Drei Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns wurden wegen Erpressung und bandenmäßigem Betrug verurteilt.

Die Große Strafkammer des Landgerichts hat sich von den Plädoyers der Anwälte, die Freisprüche für ihre Mandanten gefordert hatten, nicht beirren lassen: Sie verurteilte die drei Angeklagten, Mitglieder der rockerähnlichen United Tribuns (UT), zu Haftstrafen: Denjenigen, der die „Drecksarbeit“ erledigte, wegen räuberischer Erpressung zu vier Jahren, die beiden anderen wegen versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren und zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis. Über Cliquenstruktur und Machenschaften der United Tribuns Freiburg erfuhr man im Prozess nichts.

Das Opfer: Stefan G.* wurde 2009 eine Treppe hinuntergestoßen. Zeitweise war er gelähmt und ist seitdem schwer behindert. Er erhielt 600 000 Euro Schmerzensgeld – nicht viel, wenn man bedenkt, dass er mit 27 Jahren berufsunfähig ist und 500 Euro Rente erhält. Dann passierte das, wovor Lottogewinner stets gewarnt werden: Zu viele Personen erfuhren von dem Geld. Anwalt Jens Janssen hatte die Glaubhaftigkeit des psychisch labilen Opfers in Frage gestellt. Das Gericht kam jedoch zu dem Schluss, dass das Opfer absolut glaubwürdig ist.

Die Tat: Stefan G. wurde von Admir H.*, einem Kumpel aus der Jugend, zu einem Treffen in eine Freiburger Shisha-Bar gelockt. Dort warteten Petre F. * und Ciprian T*. Das Trio nahm dem verängstigten Stefan G. zwischen April und Juli 2014 insgesamt 360 000 Euro ab. Die erste Tranche von 125 000 Euro zahlte G. noch in der Hoffnung Teilhaber von einem Bordell zu werden, vor der zweiten Geldübergabe drohte ihm H. mit dem Tode weil Stefan G. kein Geld mehr ohne Nachweise herausgeben wollte.

Die Täter: Begonnen hatte der Prozess Anfang Mai unter großen Sicherheitsvorkehrungen, schließlich saßen Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns auf der Anklagebank, die schon häufiger im Visier von Polizei und Justiz war. Am Ende war von besonderen Vorkehrungen nichts mehr zu sehen, anders als zu Beginn saß am Ende kein Bodybuilder mit UT-Tätowierung mehr im Zuschauerraum. Und die Angeklagten plauderten in den Pausen lächelnd mit Verwandten und Bekannten.

Der 51-jährige Schweißer und Gebäudereiniger Ciprian T.* posiert im Internet als muskelbepackter Vizepräsident der Freiburger UT-Gruppe. Er schwieg während des ganzen Prozesses, gegen Ende machte sein Anwalt Lazaros Kirtsidis dürftige Angaben zu seiner Vita.

Ciprian T. habe den geringsten Tatbeitrag geleistet, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Schmidt-Weihrich, er habe allein durch seine Präsenz gewirkt und auf das Opfer Druck ausgeübt. Da der Vizepräsident nicht vorbestraft ist und ihm nicht nachgewiesen werden konnte, dass er von H.s Todesdrohung wusste, wurde er wegen versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und muss 200 Sozialstunden leisten.

Der 33 Jahre alte Petre F., wegen Betrugs in 31 Fällen vorbestraft, war der stets chic gekleidete Strippenzieher. Auf bis zu 45 000 Euro netto bezifferte er seinen monatlichen Nettoverdienst als ominöser Immobilien-, Vieh- und Textilwarenhändler. Obwohl er als Wortführer auftrat, sprach er selbst nie eine Drohung aus. Die Folge: Räuberische Erpressung, wie in der Anklageschrift formuliert, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Es blieb bei versuchtem banden- und gewerbsmäßigen Betrug und einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Da F. seit fast einem Jahr in Haft ist, wurde seine Freiheitsstrafe außer Vollzug gesetzt. Er muss in Deutschland bleiben und sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Für den 28-jährigen Admir H., vorbestraft und drogensüchtig, waren T. und F. Respektspersonen. Er wollte dazu gehören, auch ein United Tribun sein. Da nur er drohte, um an das Geld zu kommen, wurde allein er wegen räuberischer Erpressung und versuchten Betrugs verurteilt. Er muss für vier Jahre ins Gefängnis und wird in eine Entziehungsanstalt eingewiesen.

Das Geld: Seinen Teil der Beute investierte Hartz-IV-Empfänger Ciprian T. in zwei Porsche Cayenne und neue Möbel. Auch Petre F. kaufte sich diverse schnelle Autos. Gegen Ende des Prozesses rückte F. noch mit einer dubiosen Sache raus: In seiner Heimat nahe der rumänisch-ukrainischen Grenze stehe ein halbfertiger Neubau, in dem er – obwohl Prostitution in Rumänien verboten ist – ein Stundenhotel eröffnen wolle. Wenn das laufe, könne er G. auch das Geld zurückzahlen. Dass er 345 000 Euro von diesem bekommen habe, wollte er nicht leugnen. Nur handle es sich dabei um ein normales Darlehen. Das Gericht folgte seiner Darstellung nicht – unter anderem sprachen Chatprotokolle eine klare Sprache. Obwohl Admir H. am längsten ins Gefängnis muss, hatte er ökonomisch gesehen von der Straftat am wenigsten: Ganze 2500 Euro erhielt er.

Auf Stefan G.s Anwältin Katja Ravat wartet nun viel Arbeit: Damit G. noch irgendetwas von seinem Geld wiederbekommt, muss sie zivilrechtlich gegen das Trio klagen. Klar ist: Stefan G. wird allenfalls einen Teil seiner 360 000 Euro wiedersehen.