Schießerei zwischen Rocker vor Bordell: 46-Jähriger angeklagt

46-jähriger Mazedonier wegen Bildung bewaffneter Gruppen vor Gericht. Die Geschichte spielt im Rockermilieu.

Der Vorfall beschäftigt die Ulmer Justiz nun schon seit geraumer Zeit. Im Februar vorigen Jahres fielen auf der Blaubeurer Straße Schüsse. Mitglieder der inzwischen verbotenen Gruppierung Red Legion aus Stuttgart waren nach Ulm gekommen, um die mit ihnen verfeindeten Black Jackets zu provozieren. Als etwa 30 von ihnen aus der Tabledance-Bar Pure Platinum kamen und auf das Bordell Lustpark 1 zustürmten, sollen sich mehrere Black Jackets bewaffnet haben und nach draußen gegangen sein, um die Gegner zu vertreiben. Einer von ihnen, Kaltrim A., soll geschossen haben. Er muss sich derzeit wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Ulm verantworten. Die anderen sollen sich mit einem ganzen Arsenal an anderen Waffen ausgerüstet haben, etwa Beilen, Macheten, Elektroschockern, einer Armbrust, Baseballschlägern und einer Schaufel. Mit dabei gewesen soll ein 46-jähriger Mazedonier sein, der zu dieser Zeit gerade auf Deutschlandbesuch bei seinem Bruder in Aalen war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm den Straftatbestand der Bildung bewaffneter Gruppen vor.

Im September vorigen Jahres hatte der Mann einen Strafbefehl über 150 Tagessätze zu je 30 Euro erhalten. Dagegen legte er Einspruch ein, weshalb es nun zur Verhandlung am Amtsgericht Ulm kam. Der Angeklagte war extra erneut aus Mazedonien angereist. „Ich bin kein Krimineller“, übersetzte ein Dolmetscher seine Worte. In Mazedonien lebe er von etwa 20 Euro Sozialhilfe und etwas Taschengeld seines anderen Bruders. Die Lebenshaltungskosten sind allerdings offenbar niedrig. Einen Liter hausgemachten Raki bekomme man in Skopje für 50 Cent, schilderte er Strafrichter Walter Waldenmaier.

Bordellchef ein „Halbbruder seiner Halbschwester“

Deutlich teurer war vermutlich der Besuch im Lustpark vor einem Jahr. Über seinen in Deutschland lebenden Bruder habe er einen Mann kennengelernt, der in dem Bordell arbeitete und den er dort ab und zu besucht habe. An jenem besagten Abend im Februar vorigen Jahres sei er mehrfach zwischen dem Büro des Bordells und der Bar gependelt und habe viel Alkohol getrunken. „Ich war voll besoffen.“ Wer damals alles nach draußen auf die Straße ging, wisse er nicht mehr. Für seine Erinnerungslücken machte er nicht nur den Alkohol verantwortlich, sondern auch die Tatsache, dass er vor zehn Jahren Heroin konsumiert habe. Seitdem sei er etwas dement. Die „Black Jackets“ jedenfalls sagten ihm nichts, auch wenn der Boss des Bordells ein „Halbbruder seiner Halbschwester“ sei. Sein richtiger Bruder habe hingegen beruflich nichts mit dem Etablissement zu tun gehabt. Etwas anderes sagte am Montag eine ehemalige Prostituierte als Zeugin aus. Über den Angeklagten selbst sagte sie: „Er war immer da. Und hat getrunken.“ Die 20-Jährige arbeitete damals im Lustpark und konnte auf einem Bildschirm an der Bar, der die Aufnahmen von Überwachungskameras zeigte, den damaligen Vorfall beobachten. Ob der Angeklagte unter den Männern war, die nach draußen stürmten, wisse sie heute nicht mehr. Bei der Polizei hatte sie das allerdings ausgesagt – und dass der 46-Jährige mit einem Baseballschläger und einem Tischbein bewaffnet gewesen sei. Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.