Rocker zwang Frauen zur Prostitution

Chef der Black Jackets vor Gericht

Mit Gewalt schaffte er sich Respekt: Der Chef einer Rockergruppe soll Frauen vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen und ihnen ihr Geld abgenommen haben. Die Justiz will dem nun ein Ende bereiten.

Er hat laut Anklage mehrere Frauen zur Prostitution gezwungen – und wenn sie nicht willig waren, soll er sie geschlagen, bedroht und misshandelt haben: Ein 32-Jähriger muss sich unter anderem wegen Menschenhandels vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Der Mann habe seine Machtposition als Präsident der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets in Villingen-Schwenningen genutzt, um die Straftaten zu begehen, sagte der Staatsanwalt zu Prozessbeginn.

Demnach mussten die jungen Frauen – darunter auch eine Minderjährige – in verschiedenen Bordellen für ihn arbeiten und ihm einen Großteil ihrer Einnahmen abgeben. Wenn sie sich weigerten, soll der Angeklagte sie bedroht, geschlagen und manche auch vergewaltigt haben.

Eine der Frauen habe mehrere Male versucht zu fliehen und unterzutauchen, sagte der Staatsanwalt. Der Angeklagte habe sie aber mit einer Pistole bedroht und mit Drogen gefügig gemacht. Die Frauen hätten zum Teil sieben Tage die Woche für den Beschuldigten arbeiten müssen, hieß es in der Anklage. Insgesamt habe der Beschuldigte dadurch rund 68.000 Euro erlangt.

Bislang schweigt der Angeklagte

Der 32-Jährige schwieg vor Gericht. Ihm werden laut Staatsanwaltschaft unter anderem Menschenhandel, schwere Vergewaltigung, Erpressung und Körperverletzung vorgeworfen.

Mitglieder von Rocker- und rockerähnlichen Gruppen sind nach Angaben des Landeskriminalamtes zunehmend in legalen Bereichen des Rotlichtmilieus aktiv. Seit Einführung des Prostitutionsgesetzes im Jahr 2002 habe sich ihnen ein weites Geschäftsfeld eröffnet, sagte der Inspektionsleiter Organisierte Kriminalität beim LKA, Sigurd Jäger. Bis zu dem Gesetz war käuflicher Sex als sittenwidrig eingestuft.

Die Gruppierungen seien zum Beispiel im Sicherheitsdienst tätig oder betrieben Räume, die zur Prostitution genutzt würden. „Das war vor dem Gesetz verboten“, sagt Jäger. Nach Einschätzung des LKA arbeiten in Baden-Württemberg rund 5.000 bis 6.000 Frauen als Prostituierte. Genaue Zahlen gebe es nicht, da keine Anmeldepflicht existiere.

Auch Zwangsprostitution und Menschenhandel seien im Südwesten nach wie vor ein Problem. Das Gesetz habe die Stellung der tätigen Frauen „in keinster Weise“ verbessert, sagte Jäger. Häufig deklarierten die Zuhälter sie als scheinselbstständig – dadurch sei beispielsweise der Menschenhandel nicht mehr so leicht zu erkennen.