NRW-Polizei kämpft gegen 3000 Rocker

In Duisburg überschneiden sich die Interessen von vier verfeindeten Rockerclubs. Neben dem Rotlichtviertel spielt der Hafen eine wichtige Rolle. Dort werden Waffen und Drogen in Containern umgeschlagen. Die Zahl der Rocker wächst.

Ende Juni sitzen vier Männer mitten in der Duisburger Fußgängerzone in einem stadtbekannten Café an einem Tisch zusammen. Zwei sind von Kopf bis Fuß tätowiert und muskelbepackt. Ihre Schädel sind kahlrasiert. Sie tragen Lederwesten. Die beiden sind Präsidenten der Hells Angels. Ihnen gegenüber sitzen zwei Kripobeamte, die in Zivil gekommen sind. Die Rocker haben um das Gespräch gebeten, um der Polizei zu sagen, dass sie kein Interesse mehr an dem Rockerkrieg haben, der seit vier Jahren in der Stadt ausgetragen wird. Sie seien von den ständigen Razzien und Kontrollen in Duisburg genervt. Am liebsten würden sie die Stadt verlassen und in Düsseldorf ein neues Charter eröffnen, aber da sind sie ja vor vielen Jahren verboten worden. Die Polizisten sind nicht gekommen, um zu verhandeln. Sie machen deutlich, dass sie weiter mit aller Polizeimacht gegen sie vorgehen werden, solange sich die Rocker nicht an die Gesetze halten und von ihnen Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.

Wie gefährlich die Rocker in NRW sind, belegt der Lagebericht der Polizei der vergangenen drei Jahre. Landesweit hat es seit Mitte 2010 mehr als 400 Einsätze im Rockermilieu gegeben. „Ihre Revierkämpfe führen sie so brutal, dass es immer wieder zu Schusswechseln am helllichten Tag kommt“, sagte Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, gestern beim Kriminalforum in Düsseldorf, das die Polizei wegen der stetig steigenden Rockerkriminalität veranstaltet hatte.

Das Landeskriminalamt (LKA) zählt derzeit sechs große Rockerclubs in NRW. Die größten sind die Bandidos mit 24 Standorten und rund 630 Mitgliedern, die Hells Angels mit acht Chartern und 330 Zugehörigen sowie Gremium MC mit elf Chaptern und 350 Mitgliedern. Insgesamt, so schätzt das LKA, gibt es landesweit aktuell rund 3000 Rocker, wobei die Hälfte davon sogenannte Supporter (Unterstützer) sind, die keine direkten Mitglieder eines Rockervereins sind. Seit sieben Jahren steigt die Zahl jedes Jahr stetig. Zum Vergleich: 2006 gab es in NRW nur zwölf Chapter der Bandidos. Heute sind es doppelt so viele. Während einige Rockerclubs immer wieder durch kriminelle Aktivitäten auffallen, bleiben andere ruhig. Woran das liegt, weiß die Polizei nicht. „Aber wenn die Bosse pfeifen, müssen alle antanzen, also auch die friedlichen“, sagt Thomas Jungbluth, Leiter der Abteilung zur Bekämpfung der Bandenkriminalität beim LKA in Düsseldorf.

Anders als noch vor einigen Jahren wird es für die Ermittler immer schwieriger, genau zu wissen, wer zu welchem Club gehört. „Die Rocker wechseln die Kutten mittlerweile so oft wie Profifußballer die Vereine“, sagt Rudolf Koenen, Leiter der Führungsstelle im Polizeipräsidium Duisburg. Der Grund für die ständigen Wechsel sei banal. Es gehe, sagt Koenen, meist um individuelle Geschäftsinteressen. Den jüngeren Rockern mit Migrationshintergrund sei es egal, ob sie bei den Bandidos oder den Hells Angels sind. „Sie sind dort, wo es die meiste Kohle gibt.“ Und die gibt es bei denen, die das Rotlichtgewerbe, das Drogengeschäft und die Türsteherszene kontrollieren. Die Rocker betätigen sich aber auch auf anderen, zum Teil legalen Geschäftsfeldern. „Sie gründen zum Beispiel Sicherheitsfirmen und können so ihre Gelder waschen. Das ist wie bei der Mafia“, sagt Helmut Janiesch, ehemaliger Essener Polizeichef und Leiter der Dortmunder Kripo. Auch in der Fanszene im Fußball seien sie sehr stark vertreten. „Die Ultras von Schalke 04 sind von den Bandidos unterwandert. Fast der ganze Profifußball hat das Problem“, sagt Janiesch. Um legal an Waffen zu kommen, würden Rocker zunehmend auch Sportschützen-Vereinen beitreten. LKA-Ermittler Jungbluth sagt dazu: „Wir haben das Phänomen im Fokus.“

Nach wie vor überschneiden sich die Interessen der verfeindeten Rockerclubs in Duisburg. „Das ist mit Berlin die Hauptstadt der Rocker in Deutschland“, betont Franz Goltz, Analysechef der Polizei in Duisburg. Grund für die Revierkämpfe ist eines der größten Rotlichtviertel Deutschlands. In 432 Zimmern bieten Prostituierte dort ihre Dienste an – 100 weitere Räume sind geplant. Monatlich verdienen die Betreiber laut Polizei rund eine Million Euro. Die Bandidos und Hells Angels haben das Viertel im „Magdeburger Abkommen“ unter sich aufgeteilt. „Das ist eine Art Vertrag, den die Rocker in Magdeburg abgeschlossen haben“, sagt Koenen. Darin seien Spielregeln festgehalten, an die sich die Gruppen halten müssen. „So dürfen etwa die Hells Angels im Duisburger Rotlichtviertel keine Kutten tragen, weil die Bandidos dort einen Vereinssitz haben.“

Neben dem Rotlichtviertel spielt der Duisburger Hafen eine entscheidende Rolle. Laut Polizei kommen dort Drogen und Waffen in Containern an. Der Innenhafen, eine künstlich angelegte Vergnügungsmeile mit Restaurants und Diskotheken, werde zu großen Teilen von den Hells Angels kontrolliert. „Einige Wirte habe eine Affinität zu den Rockern“, erklärt Koenen. Auch er hat von Insidern erfahren, dass einige Rocker überlegen, die Stadt zu verlassen – unter anderem in Richtung Düsseldorf und ins östliche Ruhrgebiet. „Ich persönlich würde mich freuen“, sagt Koenen.

In Duisburg überschneiden sich die Interessen von vier verfeindeten Rockerclubs. Neben dem Rotlichtviertel spielt der Hafen eine wichtige Rolle. Dort werden Waffen und Drogen in Containern umgeschlagen. Die Zahl der Rocker wächst.Ende Juni sitzen vier Männer mitten in der Duisburger Fußgängerzone in einem stadtbekannten Café an einem Tisch zusammen. Zwei sind von Kopf bis Fuß tätowiert und muskelbepackt. Ihre Schädel sind kahlrasiert. Sie tragen Lederwesten. Die beiden sind Präsidenten der Hells Angels. Ihnen gegenüber sitzen zwei Kripobeamte, die in Zivil gekommen sind. Die Rocker haben um das Gespräch gebeten, um der Polizei zu sagen, dass sie kein Interesse mehr an dem Rockerkrieg haben, der seit vier Jahren in der Stadt ausgetragen wird. Sie seien von den ständigen Razzien und Kontrollen in Duisburg genervt. Am liebsten würden sie die Stadt verlassen und in Düsseldorf ein neues Charter eröffnen, aber da sind sie ja vor vielen Jahren verboten worden. Die Polizisten sind nicht gekommen, um zu verhandeln. Sie machen deutlich, dass sie weiter mit aller Polizeimacht gegen sie vorgehen werden, solange sich die Rocker nicht an die Gesetze halten und von ihnen Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.

Wie gefährlich die Rocker in NRW sind, belegt der Lagebericht der Polizei der vergangenen drei Jahre. Landesweit hat es seit Mitte 2010 mehr als 400 Einsätze im Rockermilieu gegeben. „Ihre Revierkämpfe führen sie so brutal, dass es immer wieder zu Schusswechseln am helllichten Tag kommt“, sagte Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, gestern beim Kriminalforum in Düsseldorf, das die Polizei wegen der stetig steigenden Rockerkriminalität veranstaltet hatte.

Das Landeskriminalamt (LKA) zählt derzeit sechs große Rockerclubs in NRW. Die größten sind die Bandidos mit 24 Standorten und rund 630 Mitgliedern, die Hells Angels mit acht Chartern und 330 Zugehörigen sowie Gremium MC mit elf Chaptern und 350 Mitgliedern. Insgesamt, so schätzt das LKA, gibt es landesweit aktuell rund 3000 Rocker, wobei die Hälfte davon sogenannte Supporter (Unterstützer) sind, die keine direkten Mitglieder eines Rockervereins sind. Seit sieben Jahren steigt die Zahl jedes Jahr stetig. Zum Vergleich: 2006 gab es in NRW nur zwölf Chapter der Bandidos. Heute sind es doppelt so viele. Während einige Rockerclubs immer wieder durch kriminelle Aktivitäten auffallen, bleiben andere ruhig. Woran das liegt, weiß die Polizei nicht. „Aber wenn die Bosse pfeifen, müssen alle antanzen, also auch die friedlichen“, sagt Thomas Jungbluth, Leiter der Abteilung zur Bekämpfung der Bandenkriminalität beim LKA in Düsseldorf.

Anders als noch vor einigen Jahren wird es für die Ermittler immer schwieriger, genau zu wissen, wer zu welchem Club gehört. „Die Rocker wechseln die Kutten mittlerweile so oft wie Profifußballer die Vereine“, sagt Rudolf Koenen, Leiter der Führungsstelle im Polizeipräsidium Duisburg. Der Grund für die ständigen Wechsel sei banal. Es gehe, sagt Koenen, meist um individuelle Geschäftsinteressen. Den jüngeren Rockern mit Migrationshintergrund sei es egal, ob sie bei den Bandidos oder den Hells Angels sind. „Sie sind dort, wo es die meiste Kohle gibt.“ Und die gibt es bei denen, die das Rotlichtgewerbe, das Drogengeschäft und die Türsteherszene kontrollieren. Die Rocker betätigen sich aber auch auf anderen, zum Teil legalen Geschäftsfeldern. „Sie gründen zum Beispiel Sicherheitsfirmen und können so ihre Gelder waschen. Das ist wie bei der Mafia“, sagt Helmut Janiesch, ehemaliger Essener Polizeichef und Leiter der Dortmunder Kripo. Auch in der Fanszene im Fußball seien sie sehr stark vertreten. „Die Ultras von Schalke 04 sind von den Bandidos unterwandert. Fast der ganze Profifußball hat das Problem“, sagt Janiesch. Um legal an Waffen zu kommen, würden Rocker zunehmend auch Sportschützen-Vereinen beitreten. LKA-Ermittler Jungbluth sagt dazu: „Wir haben das Phänomen im Fokus.“

Nach wie vor überschneiden sich die Interessen der verfeindeten Rockerclubs in Duisburg. „Das ist mit Berlin die Hauptstadt der Rocker in Deutschland“, betont Franz Goltz, Analysechef der Polizei in Duisburg. Grund für die Revierkämpfe ist eines der größten Rotlichtviertel Deutschlands. In 432 Zimmern bieten Prostituierte dort ihre Dienste an – 100 weitere Räume sind geplant. Monatlich verdienen die Betreiber laut Polizei rund eine Million Euro. Die Bandidos und Hells Angels haben das Viertel im „Magdeburger Abkommen“ unter sich aufgeteilt. „Das ist eine Art Vertrag, den die Rocker in Magdeburg abgeschlossen haben“, sagt Koenen. Darin seien Spielregeln festgehalten, an die sich die Gruppen halten müssen. „So dürfen etwa die Hells Angels im Duisburger Rotlichtviertel keine Kutten tragen, weil die Bandidos dort einen Vereinssitz haben.“

Neben dem Rotlichtviertel spielt der Duisburger Hafen eine entscheidende Rolle. Laut Polizei kommen dort Drogen und Waffen in Containern an. Der Innenhafen, eine künstlich angelegte Vergnügungsmeile mit Restaurants und Diskotheken, werde zu großen Teilen von den Hells Angels kontrolliert. „Einige Wirte habe eine Affinität zu den Rockern“, erklärt Koenen. Auch er hat von Insidern erfahren, dass einige Rocker überlegen, die Stadt zu verlassen – unter anderem in Richtung Düsseldorf und ins östliche Ruhrgebiet. „Ich persönlich würde mich freuen“, sagt Koenen.

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