Australien – Bandidos vermöbeln Ex Member

Australien/Melbourne – Dieser Bandido hat niemals vermutet, dass die Hölle ausbrechen würde, wenn er den Club verlässt. Stephen Jones wollte schlicht und ergreifend kein Member eines vom Staat verfolgten Outlaw Rockerclubs mehr sein. Er war ursprünglich bei den Rebels, später bei den Bandidos, aber jetzt hatte er von diesem Lebensstil die Schnauze voll. Der 47jährige Familienvater wollte Zeit mit seiner Tochter verbringen, einen kleinen Familienbetrieb leiten und in der Freizeit hin und wieder mit ein paar Kumpels mit der Harley ausfahren. So sicher er der Überzeugung war, dass er austreten wollte, so wenig ging er im Unfrieden, und er hätte nie erwartet, was damit ins Rollen kommen würde.

Der 15. Januar 2009 war ein heisser Tag und die Nachbarschaft war entspannt, als die Sonne ansetzte unterzugehen. Jones wachte gegen halb sieben von einem Nachmittagsschläfchen auf und telefonierte mit einem Kumpel, um sich für eine kleine Motorradtour zu verabreden, als es klingelte. Er wollte gerade öffnen, als die Tür von seinen ehemaligen Brothers Jack Vaotangi und Jasmin Destanovic eingeschlagen wurde. Jones, nur mit einer Unterhose bekleidet sprang ins Bad zurück und wollte die Notrufnummer wählen, aber da hatten ihn die Eindringlinge, zu denen sich inzwischen noch Taniora Tangaloa gesellt hatte schon am Wickel.
Sie steckten ihm eine Pistole in den Mund und drückten ab. Als er merkte, dass die Waffe wohl ungeladen war schnitten sie ihm ein Ohr ab. Er wurde mit zahlreichen Messerstichen verletzt und anschliessend geschlagen und ins Gesicht getreten. Dann wurde seine Lieblingsgitarre auf seinem Schädel zertrümmert und anschliessend folgte die grösste Entwürdigung für einen Biker: die drei fuhren auf seinen beiden Schmuckstücken, zwei Harleys davon. Ausserdem raubten sie ihm sein Auto, ein Laptop und einiges mehr, insgesamt Sachen im Wert von über 100 000 AUS$.

Das Landesgericht in Melbourne befand Tangaloa (38), Vaotangi (35), und Destanovic (36) des bewaffneten Raubüberfalls schuldig in Tateinheit mit schwerem Diebstahl und vorsätzlicher Körperverletzung. Ein vierter mittelbar Tatbeteiligter wurde zunächst verurteilt, später aber vom obersten Gerichtshof wieder freigesprochen. Die drei Verurteilten bestritten bis zuletzt, jemals im Haus von Jones gewesen zu sein.

Jones erlitt zahlreiche Knochenbrüche und Schnittverletzungen am Schädel. Er hatte Glück, dass sein Auge gerettet und das Ohr wieder angenäht werden konnte, leidet aber seit dem Überfall unter schrecklichen Kopfschmerzen und einer posttraumatischen Störung. „Das emotionale Trauma aus dieser Terrornacht löste bei mir Angstanfälle, Albträume und Furchtzustände aus, von denen ich möglicherweise nie mehr kuriert werden kann.“

Warum wurde er zum Opfer dieser brutalen Behandlung?

Der Richter kam zu der Überzeugung, es sei keine Strafaktion wegen des Verlassens des Clubs gewesen, sondern die Motivation der Verurteilten sei einzig und allein gewesen zu stehlen, was immer sie konnten. Die harten Schläge und Verletzungen hätten einzig den Zweck gehabt, das Opfer so sehr einzuschüchtern, dass er die Täter niemandem preisgeben würde.

Jones erzählte der Jury, dass er Tangaloa und die Rebels 2001 kennen lernte, später auch Vaotangi und Destanovic. Später sei er zu den Bandidos eingeladen worden, mit denen eine Freundschaft entstanden sei. Der Club sei dann irgendwann zu den Bandidos übergetreten, was für einige Reibereien und interne Querelen gesorgt habe. Einige Member seien damals ausgetreten.

Im November 2008 habe er Tangaloa gegenüber erklärt “Ich möchte nicht mehr zu Euch gehören, ihr schlagt einen Hardcore-Weg ein, den ich nicht mittragen will. Die Macker haben mich umarmt, geküsst und mir gesagt ‚We love you, brother'“. Das letzte, was Tangaloa zum Abschied sagte war: „Meld Dich mal wieder, machs gut!“

Das nächste, was er von ihm hörte waren, während er fast nackt vor ihm kniete, Vaotangi und Destanovic ihn an den Schultern hielten und er Tangaloas Pistole im Mund hatte die Worte: „Rück die Schlüssel zu den Harley raus und alles, was Du an Kohle im Haus hast, und dann sag Good Bye, heute wirst Du sterben.“ Als die Tritte gegen seinen Schädel endlich aufhörten, erinnert er sich habe er einfach nur gedacht: „Ich leb noch! Ich leb noch!“ und dann habe er gehört, wie seine Harleys wegfahren.

Zunächst habe er nicht gegen Tangaloa ausgesagt und sich geweigert, die Täter zu identifizieren. „Ich war am Ende, ich hatte genug. Ich war kein Member mehr, aber in Rockerclubs bekommst Du eingebläut, nicht mit den Behörden zu kooperieren. Ich war sicher, dass Joe [Tangaloa] mich endgültig erledigt, wenn ich mit der Polizei rede.“

Destanovics Rechtsanwalt Wayne Toohey nannte Jones einen durchtriebenen Lügner. Sein Mandant sei nie in dessen Haus gewesen.

Jones betonte, er halte nicht die Bandidos, sondern die drei Angeklagten für verantwortlich.

In den Anhörungen zur Entlastung wurde Gabelstaplerfahrer Tangaloa von seinem Anwalt als 11facher Familienvater ohne Vorstrafen beschrieben, ein grosszügiger, hilfsbereiter Familienmensch, der seinen Freunden das letzte Hemd gibt. Den fünffachen Vater und Malergesellen Destanovic, der mehrere Vorstrafen, unter anderem wegen Körperverletzung hat, beschrieb er als ganz normalen Weggefährten, der keine grossen Probleme mit seiner Umwelt hat. Vaotangi sei ein verheirateter dreifacher Vater, habe zwar Vorstrafen wegen mehrerer Gewaltdelikte, sei aber ein gläubiger Familienmensch aus einer guten christlichen Familie. Zur Zeit des Vorfalles sei er nur ein wenig neben der Spur gewesen, weil er vom falschen Umgang aufs Eis geführt worden sei. Mittlerweile sei er jedoch drogenfrei, habe wieder Arbeit, lebe mit seiner Familie und wolle mit seiner Vergangenheit abschliessen.

Richter Stuart erklärte, dass er im Januar die Urteile sprechen würde. Die Prozessverschleppungen der Vergangenheit durch immer neue Anträge der Verteidigung würden dabei berücksichtigt werden.