Antrag der Linksfraktion zwecks Verbindungen des Gremium MC zu Nazis

Auf Antrag der Linksfraktion im Thüringer Landtag sollte heute im Innenausschuss über die Verbindungen des Rockerclubs ‚Gremium MC‘ zur organisierten Kriminalität bzw. in die rechte Szene beraten werden. Dieser Tagesordnungspunkt konnte jedoch in der heutigen Sitzung nicht mehr aufgerufen werden. „Verbindungen zwischen kriminellen Rockergruppierungen und Neonazis sind kein neues Phänomen, sondern lassen sich an regionalen Schwerpunkten in Thüringen schon seit Jahren beobachten“, erklärt Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion und Mitglied des Innenausschusses, und verweist auf parlamentarische Anfragen der Linksfraktion zu diesem Thema.

Anlass der aktuellen Beratung im Innenausschuss war der Austritt des Nordhäuser Landesvorstandsmitglieds Roy Elbert aus der NPD und dessen neue Aktivitäten im Zusammenhang mit der Rockergruppierung „Gremium MC“. „In der Vergangenheit schlossen sich Thüringer Neonazis mit dem vermeintlichen Ende ihrer politischen Aktivitäten in zahlreichen Fällen gewalttätigen Rockergruppen oder anderen Strukturen der organisierten Kriminalität an“, konstatiert die Abgeordnete. Sie verweist dabei u.a. auf die beiden ehemaligen Anführer des NPD-Kreisverbandes Weimar, die in jeweils miteinander verfeindeten Rockergruppen, der den „Hells Angels“ nahestehenden „Garde 81“ und den „Bandidos,“ aufgingen. Aber auch anderswo bestehen Schnittmengen, so seien etwa im April 2012 im Klubhaus des „Underdogs MC“ in Nohra, in dem sich auch ein Erfurter Fußballfanclub trifft, zwei Reichskriegsflaggen und kleine Hakenkreuze entdeckt worden. Außerdem liegen der Abgeordneten Hinweise über einzelne Überschneidungen zwischen rechter Szene und dem Umfeld des „Stahlpakt MC“ in Thüringen vor. Darüber hinaus waren mindestens zwei Thüringer Aktivisten des mittlerweile verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood & Honour“ bzw. von dessen Jugendorganisation in kriminellen Rockergruppen aktiv. „Einen kontinuierlichen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit zwischen Rockern und Neonazis bildet jedoch seit mehreren Jahren die Stadt Saalfeld“, erklärte Frau König. Im ehemaligen Clubhaus des Hells Angels-Supporter Clubs „Red Devils“, dem so genannten „Alten Labor“, wurden in den letzten Jahren immer wieder Neonazi-Konzerte organisiert und die Verbindungen mit Rockern offensichtlich.

„Einer der maßgeblichen Initiatoren für diese Konzerte im Rockerclub ist engster Vertrauter des derzeit in München angeklagten mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben“, berichtet die Abgeordnete weiter. Der verantwortliche Neonazi und NPD-Direktkandidat zur Landtagswahl 2009, Steffen Richter, ist nicht nur im Musiksektor aktiv, sondern treibt auch massiv die Unterstützungsaktionen für den inhaftierten Wohlleben voran, soll Wohllebens Interessen in der Szene vertreten und wurde zwischenzeitlich verdächtigt, Post an Kontrollwegen vorbei zu Wohlleben ins Gefängnis zu schmuggeln. Erst im März 2012 organisierte er ein „Solikonzert“ für Wohlleben im ehemaligen Rockertreff in Saalfeld, welches zwar verhindert werden konnte, aber zwei spontane Aufmärsche der Szene zur Folge hatte. Ralf Wohlleben selbst war erst wenige Tage vor seiner Verhaftung im November 2011 zu einem Szene-Treffen in das „Alte Labor“ nach Saalfeld gereist. Im Januar 2013 sollte dort eine erneute Musikveranstaltung stattfinden, 130 Personen reisten zur Eröffnungsfeier eines neuen Rocker-Treffs „Riders Pub“ an. Unter den Gästen waren zahlreiche Rocker aus dem „Hells Angels“-Umfeld und diverse Neonazis aus Thüringen – von ehemaligen Akteuren des „Thüringer Heimatschutzes“ bis hin zum „Freien Netz Saalfeld“. Mittlerweile ist dort maßgeblich der „Hells Angels“-Supporter Club „Blood Red Section Saalfeld“ aktiv. Im Oktober 2013 sprießte dann eine weitere Gruppe aus diesem Umfeld zumindest virtuell hervor: Ein „Blutorden Saalfeld“, benannt nach einer ehemaligen Rechtsrockband aus der Saale-Region. Auf Facebook präsentierte man sich zunächst ganz unverblümt mit Hakenkreuzen, „Schwarzer Sonne“ und „SS-Runen“. 50 Neonazis und Rocker aus dem Umfeld des „Alten Labors“ haben sich mit der Gruppe verknüpft, unter ihnen aber auch ein NPD-Spitzenfunktionär: Das Landesvorstandsmitglied Patrick Weber. „Dass Rocker und Neonazis mitunter gemeinsame Sache machen, ist nicht neu. Vielmehr verdichtet sich diese seit Jahren bestehende Zusammenarbeit beider Milieus immer weiter“, so König. „Dieser gefährlichen Entwicklung gilt es, endlich konsequent entgegen zu wirken“, so die Abgeordnete.

Diana Glöckner
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